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Bild von Ernst Meister ohne Titel aus dem Jahr 1955. Vier abstrakte Formkompositionen schwimmen auf einem blauen Hintergrund.

Ernst Meister

Zerstreuung eines Fisches

(ca. 1935 / 1954)

Der Fisch, den dieses Gedicht besingt, ist eine Provokation. Denn er ist nicht einfach ein Fisch, der zerlegt und gegessen wird. "Als ein Fisch / Zum Mahl erscheinen auf dem Tisch", diese Konstruktion wirft die Frage auf, um welches Wesen es sich eigentlich handelt – wer ist es, der hier als Fisch erscheint und als Du angesprochen wird? Weil dies offenbleibt, könnte es jeder und jede sein: zum Beispiel der Autor dieses Gedichts – oder wir, die Leserinnen und Leser, die hier zur Identifikation mit dem Fisch und seiner Erfahrung des Gegessenwerdens und Zerfalls eingeladen werden.

Bild rechts : Typoskript zu Meisters Gedichtband Dem Spiegelkabinett gegenüber. Depositum Ernst Meister, Westfälisches Literaturarchiv Im LWL-Archivamt (WLA), Best. 1000/[I.2-MFF M 10.26]; © Reinhard Meister

Bild ganz oben: Ernst Meister, Ohne Titel, 1955. Aquarell, Deckweiß, Tusche/Papier, 20,9 x 27,5 cm. Inv.Nr. KdZ 6455 LG. Dauerleihgabe der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege. Foto: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Westfälisches Landesmuseum, Münster. © Reinhard Meister.

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Typoskript des Gedichts "Zerstreuung eines Fisches"

Als wie ...

(1969/70)

In Ernst Meisters Gedicht "Als wie..." scheinen die herkömmlichen Größenverhältnisse außer Kraft gesetzt: Das menschliche, sprechende Ich ist – wenn auch nur in Gedanken, in einem Vergleich – der Eule unters Gefieder gekrochen. Ob es dort Schutz oder Trost sucht, bleibt offen; doch muss es wohl deutlich kleiner als die Eule sein, um dort Platz zu finden.

Die Eule ist in der abendländischen Kulturgeschichte mit vielfältigen Bedeutungen aufgeladen. Zum einen symbolisiert sie als Attribut der Athena Weisheit und Klugheit, zum anderen gilt sie im Aberglauben als dämonisches Tier und Todesbotin. Ihren Federn werden Zauberkräfte zugesprochen, etwa, weinenden Kindern in den Schlaf zu helfen.

Die meisten heimischen Eulenarten stehen heute auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Bild: Handschriftlicher Entwurf zu "Als wie..." in Ernst Meisters Arbeitsbuch 34. Depositum Ernst Meister, Westfälisches Literaturarchiv Im LWL-Archivamt (WLA), Best. 1000/[I.8-34.525 (521)_002]; © Reinhard Meister

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Ausschnitt des Manuskripts zum Gedicht  "Als wie..."