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Zeichnung von Hühnern

Annette von Droste-Hülshoff

Drostes erstes Gedicht Kom Liebes Hähnchen

(1804)

Kom Liebes Hähnchen kom heran
Und friß aus meinen Händen.
Nun kom du Lieber kleiner Mann
Das sie’s dir nicht entwenden

Das Hähnchen, das hier gelockt, umschmeichelt und gewarnt wird, ist ein ganz besonderer Vogel: Es hat wesentlichen Anteil daran, dass dieses Gedicht entstanden ist – und damit auch daran, dass aus einem siebenjährigen Mädchen eine bedeutende Schriftstellerin wird.

Dieses erste erhaltene Gedicht Annette von Droste-Hülshoffs ist in einer Handschrift ihrer Mutter, Therese von Droste-Hülshoff, überliefert.

Auf dem Manuskript vermerkt sie ganz oben: "Annette geb den 12ten jänner 1797 / im August 1804".

Bild links: Therese von Droste-Hülshoff: Sammelhandschrift. Westfälisches Literaturarchiv im LWL-Archivamt (Depositum), Meersburger Nachlass, Bestand 1064/MA X 12, 1.

 

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Manuskriptblatt von "Kom Liebes Hähnchen kom heran", dem ersten Gedicht Drostes.

Wappentier oder Dichterin oder ...? Der weiße Aar

(1838/40)

Wie der weiße Aar, der Adler, in diesem Gedicht zu verstehen ist, darüber streiten die Gelehrten: Steht er als Wappentier Polens für die polnische Befreiungsbewegung – oder doch eher für die Dichterin selbst? Oder ist die Sache noch komplizierter?

Am wenigsten rätselhaft ist an ihm jedenfalls, dass er sich in Menschensprache unterhalten kann. Das gehört für literarische Tiere bis weit ins 19. Jahrhundert hinein zum guten Ton.

Bild rechts: Annette von Droste-Hülshoff: Handschrift von "Der weiße Aar". Westfälisches Literaturarchiv im LWL-Archivamt (Depositum), Meersburger Nachlass, Bestand 1064/MA V 1, 2.

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Ausschnitt von Drostes Handschrift. Das Gedicht "Der weiße Aar" ist in kleiner, dichter Schrift notiert.

Die Grenze zwischen Mensch und Tier Instinkt

(1841/42)

Was unterscheidet den Menschen vom Tier, den Dichter von seinem Pudel – und was ist mit Pflanzen? Diesen Fragen geht das Ich im Gedicht "Instinkt" nach und greift dabei drängende Probleme der zeitgenössischen Naturwissenschaften auf. Zu einer befriedigenden Antwort kommt es nicht, die Gedanken sind zu verstörend, um weitergedacht zu werden, so dass es schließlich den Lesenden überlassen bleibt, sich zu fragen: Was ist Instinkt?

Bild links: Annette von Droste-Hülshoff: Handschrift von "Instinkt" (Ausschnitt). Westfälisches Literaturarchiv im LWL-Archivamt (Depositum), Meersburger Nachlass, Bestand 1064/ MA I 58, 2.

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Ausschnitt aus einem Manuskriptblatt mit Drostes Gedicht "Instinkt". Die Schrift ist winzig, die einzelnen Zeilen stehen eng beeinander.

Höhenflug und Absturz Die todte Lerche

(1844)

Die Lerche in diesem Gedicht verhält sich arttypisch, wie Lerchen es seit jeher getan haben. Doch dann stürzt sie in einen Abgrund, der sich in der Krisenzeit der Moderne aufgetan hat.

Dabei wirft sie die Frage auf: Was kann Dichtung in der Moderne überhaupt erreichen? Wodurch unterscheidet sie sich von Vogelgezwitscher? Was bleibt von denen, die singen – und von ihrem Gesang?

Bild rechts: Annette von Droste-Hülshoff: Handschrift von "Die todte Lerche" (Ausschnitt). Westfälisches Literaturarchiv im LWL-Archivamt (Depositum), Meersburger Nachlass, Bestand 1064/ MA I 107.

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Ein Manuskriptblatt mit Drostes Gedicht "Die todte Lerche".